An(ge)dacht...

von Pastor Johannes Hilliges

Denn als erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; und dass er gesehen worden ist von Kephas (= Petrus), danach von den Zwölfen.
(1. Korinther 15,3-5)

Über die Ursprünge unseres heutigen Weihnachtsfestes

So schreibt Paulus an die Gemeinde in Korinth. So sah das "Urglaubensbekenntnis" der ersten Christen aus, das bereits Paulus lehrte: Im Mittelpunkt steht die glaubhaft bezeugte Auferstehung des Herrn von den Toten. Ostern war darum das zentrale Fest in der frühen Christenheit.

Und Weihnachten? Es spielte in der frühen Gemeinde keine Rolle. Erst zwischen 250 und dem Jahr 300 fing man an, die Geburt Christi zu feiern. Doch an welchem Tag? Wann war Jesus überhaupt geboren? Jesaja 9,1

Das Geburtsjahr wurde von 7 vor bis 4 nach dem Jahr 0 vermutet. In den ersten Jahrhunderten kursierten bis zu zwölf verschiedene, über das ganze Jahr verteilte Geburtstagstermine. Schließlich einigte man sich unter oströmischer Führung auf den 6. Januar: "Epiphanias", das deutsche "Erscheinungsfest", war entstanden. "Epiphanie" - das war ursprünglich das prunkvolle und herrliche Erscheinen eines Königs in einer Stadt, auf die man sich natürlich lang und breit vorbereitet hatte; die man mit Huldigungen, vergleichbar mit unserem "roten Teppich", beging; und die natürlich mit jeder Menge Vergünstigungen und materiellen Segnungen für die Bevölkerung einher ging. Dieses Ereignis aus dem gesellschaftlich-politischen Bereich wurde nun übertragen auf die Ankunft und das Eintreffen des Gottessohnes auf Erden: Advent und Weihnachten klangen hier zusammen. Anders als beim späteren Weihnachtsfest stand dabei nicht die Geburt in Niedrigkeit, sondern das Aufstrahlen der Herrlichkeit und die Glorie Gottes im Mittelpunkt. Unsere Geschwister der orthodoxen Kirchen feiern bis heute am 6. Januar Weihnachten.

In West-Rom verfiel man etwa 100 Jahre später allerdings auf den 25. Dezember. Warum? Weil rund um den Termin der Wintersonnenwende (= kürzester Tag und längste Nacht) der Sonnengott Sol im heidnischen Umfeld gefeiert wurde. Da Feste und Feiertage mit ihren Bräuchen aber nahezu unausrottbar sind, münzte man den Gedenktag des Sonnengottes Sol kurzerhand nach dem Motto "Christus Sol" ("Christus ist die Sonne" - "Christus ist die Gnadensonne", s. GL 187) um und feierte die Geburt Christi, den "Aufgang aus der Höhe" (Lukas 1,78). Beide Geburtstage Christi sind also aus der missionarischen Situation, der Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Umfeld entstanden!

Während man im Osten die Gottheit Christi betonte, legte man im Westen Wert auf sein Menschsein. Die Formel "Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott" aus einem frühen Glaubensbekenntnis diente lange als Klammer, bis um das Jahr 1000 in einer ersten großen Kirchenspaltung West-Rom und Ost-Rom sich trennten: Die katholische und die orthodoxe Kirche waren geboren. Krippe

Und Weihnachten? Hier kommen uns die alten Germanen zu Hilfe. Rund um die Wintersonnenwende gab es die "geweihten Nächte", von denen Wundersames und Okkultes berichtet wurde. In neueren, säkularen Weihnachtsgeschichten feiert das wieder fröhliche Urständ, wenn es beispielsweise heißt, dass in diesen Nächten die Tiere reden könnten! Die Mitte der "geweihten Nächte" bildete die "Heilige Nacht" vom 24. auf den 25. Dezember - hier hat man also wieder heidnisches Denken und Fühlen der christlichen Botschaft dienlich gemacht. So sind auch die Tiere, allen voran Ochs und Esel, in die Weihnachtsgeschichte eingezogen. Wer weiß, ob in dem Brimborium, das in unserer Kultur um Weihnachten gemacht wird - in dem wundersame Gestalten vom Wichtel, über Luzia, dem Nikolaus, Weihnachtsmann bis hin zu Engelchen eine wichtige Rolle spielen -, nicht doch unsere heidnischen Vorfahren herüberwinken.

Trotz alledem lasst uns fröhlich Weihnachten feiern. Nur vergessen wir nicht, dass es den Anfang einer atemberaubenden Geschichte markiert: der Liebesgeschichte Gottes mit uns. An deren Ende steht, dass Jesus für unsere Sünde gestorben ist, begraben wurde und am dritten Tag siegreich auferstand und dem wir persönlich begegnen können.